Hilfe für junge Eltern
Känguru DWBO, Der Tagesspiegel, 13.12.2007
Das Projekt Känguru braucht Spenden: Es steht Familien
nach der Geburt eines Kindes bei.
Von Katja Reimann
So
groß war die Resonanz noch nie: Fast 270 Vereine und Initiativen
haben sich beim Tagesspiegel für die Spendenaktion „Menschen
helfen!“ beworben. Wir können 56 berücksichtigen – und stellen
einige Projekte stellvertretend vor. Heute: „Känguru – hilft und
begleitet“, Diakonische Nachbarschaftshilfe für Eltern und Kinder
in den ersten Monaten nach der Geburt.
Anfang Oktober dieses
Jahres wusste Julia K. nicht mehr weiter: Ihre Tochter Johanna (beide
Namen geändert) war erst vier Monate alt, und Julia K. litt an einer
Brustentzündung, verursacht durch das tägliche Stillen. Mit hohem
Fieber und Schmerzen erschien ihr der Alltag mit einem Kleinkind
doppelt so schwer zu meistern. Ihr Ehemann arbeitete den ganzen Tag,
und auch auf die viel beschäftigten Großeltern konnte sie nicht
zählen.
Julia K. wandte sich daraufhin an das Projekt Känguru
des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Känguru hilft jungen Eltern, wenn ihnen der Alltag in den Monaten
nach der Geburt eines Kindes über den Kopf wächst. An vier
Standorten in Berlin existieren bereits Känguru-Büros, die mit
jeweils einer Koordinatorin und gut geschulten ehrenamtlichen
Helferinnen besetzt sind: in Friedrichshain/Mitte, Lichtenberg,
Neukölln und Steglitz-Zehlendorf. Die freiwilligen Helferinnen
besuchen die Eltern stundenweise zu Hause und unterstützen sie. Die
Hilfe ist für die Eltern kostenlos.
Die Hemmungen, sich um
fremde Unterstützung zu bemühen, seien erst groß gewesen, sagt
Julia K. „Ich habe überlegt: lasse ich wirklich jemand Wildfremdes
in mein Haus und an mein Kind?“ „Aber irgendwann“, erinnert
sich Julia K., „ging es einfach nicht mehr.“ Und als sie sah,
dass der Träger des Projektes kirchlich war, fasste sie Vertrauen
und rief bei Kathrin Hoppe, der Koordinatorin für
Steglitz-Zehlendorf, an. Kathrin Hoppe reagierte sofort und übernahm
die Betreuung der kranken Mutter und ihres Babies. Täglich
verbrachte sie zwei bis drei Stunden mit der kleinen Johanna und ging
zum Beispiel mit ihr spazieren. Julia K. konnte in der Zwischenzeit
in aller Ruhe Ärzte aufsuchen und sich auskurieren.
„Das
Projekt Känguru ist für alle Familien“, sagt Kathrin Hoppe.
Probleme und Sorgen nach der Geburt eines Kindes kämen schließlich
in allen sozialen Schichten vor. Auch Hoppes Kollegin aus
Lichtenberg, Anja Lindner, betont: „Bedarf ist immer dann da, wenn
eine Familie sich meldet.“ Die Motivation der ehrenamtlichen
Helferinnen sei groß, viele hätten ein solches Angebot nach der
Geburt ihres Kindes selbst gern genutzt. Und nicht zuletzt ist das
Projekt Känguru auch ein Präventionsprojekt im Sinne des
Kinderschutzes: Durch die Beratung und Unterstützung der Eltern wird
automatisch deren Erziehungskompetenz gefördert.
Doch
Informationsmaterial und Mitarbeiterschulungen haben ihren Preis.
Damit das noch junge Projekt Känguru vielen Eltern helfen kann, ist
es auf Spenden angewiesen. Auch ehrenamtliche Helfer werden noch
gesucht (Tel.: 820 97 140).
Katja Reimann
Spendenaktion Der
Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner
Sparkasse, Kontonr.: 2500 30 942, BLZ: 100 500 00. Onlinebanking ist
möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift, damit wir Ihnen den
Spendenbeleg zuschicken können
(www.tagesspiegel.de/spendenaktion).
(Erschienen im gedruckten
Tagesspiegel vom 13.12.2007)

"Känguru" ist ein Projekt des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.